Tarifwissen für kleine Verbrauchsmengen
Strom ohne Grundpreis: Wann lohnt sich das wirklich?
Ein Tarif mit 0 Euro Grundpreis klingt zunächst nach einem klaren Vorteil. Die faire Antwort steht aber nicht in der Monatsgebühr, sondern in Ihrer Jahresrechnung: Arbeitspreis, Verbrauch, Mindestabnahme und alle weiteren Entgelte gehören zusammen.
Mit Ihrer Postleitzahl und Ihrem Jahresverbrauch sehen Sie, ob ein niedriger Fixpreis bei Ihrer Lieferstelle tatsächlich trägt.
Die kurze Antwort
0 Euro Grundpreis heißt nicht 0 Euro Strom
Der Grundpreis ist der feste Teil eines Tarifs. Der Arbeitspreis wird dagegen für jede verbrauchte Kilowattstunde berechnet. Die Bundesnetzagentur erklärt den Arbeitspreis deshalb als verbrauchsabhängige Größe, die mit dem Jahresverbrauch multipliziert und zum Grundpreis addiert wird.
Fehlt der feste Preis, kann der Anbieter seine Kosten anders verteilen. Ein höherer Arbeitspreis fällt bei jeder zusätzlichen Kilowattstunde an. Schon ein kleiner Unterschied pro kWh kann den Vorteil von 0 Euro Grundpreis bei einem größeren Haushalt aufzehren.
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Geben Sie die Daten Ihrer Lieferstelle ein und vergleichen Sie nicht nur den Arbeitspreis, sondern die voraussichtlichen Jahreskosten. Prüfen Sie anschließend die Vertragsdetails des konkreten Angebots.
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Die beiden Preishebel
Grundpreis und Arbeitspreis richtig auseinanderhalten
Für einen belastbaren Vergleich müssen Sie zwei unterschiedliche Kostenarten zusammenführen. Der feste Teil ist unabhängig davon, ob Sie in einem Monat viel, wenig oder gar keinen Strom verbrauchen. Der Arbeitspreis wächst mit jeder Kilowattstunde.
Grundpreis
Er wird meist monatlich oder jährlich berechnet. Er deckt feste Bestandteile des Vertrags ab und fällt auch dann an, wenn der Verbrauch zeitweise sehr niedrig ist.
Bei wenig Verbrauch wirkt dieser Betrag besonders stark.
Arbeitspreis
Er wird in Cent pro Kilowattstunde angegeben und mit Ihrem Jahresverbrauch multipliziert. Ein günstiger Arbeitspreis kann einen höheren Grundpreis ausgleichen.
Bei hohem Verbrauch wird jede Differenz pro kWh wichtig.
Die Jahresrechnung im Blick
Warum ein Monatsvergleich oft in die Irre führt
Ein angezeigter Monatsabschlag ist in erster Linie eine Vorauszahlung. Er zeigt nicht automatisch, welcher Tarif über zwölf Monate günstig bleibt. Für die Entscheidung zählt die Rechnung mit Ihrer Verbrauchsmenge: feste Kosten plus Arbeitspreis, ergänzt um alle Bedingungen, die den Betrag erhöhen oder senken können. Die Bundesnetzagentur erklärt Preise und Abschläge deshalb getrennt voneinander.
Abschlag ist nicht Jahrespreis
Ein niedriger Monatsbetrag kann aus einem Bonus, einer Schätzung oder einer günstigen ersten Abrechnungsperiode entstehen. Stellen Sie dem Abschlag immer die voraussichtlichen Jahreskosten ohne zeitlich begrenzten Vorteil gegenüber. So erkennen Sie, ob das Angebot auch nach dem ersten Vertragsjahr zu Ihrer Lieferstelle passt.
Grundlast realistisch einschätzen
Auch eine kaum genutzte Wohnung verbraucht Strom. Ein Gerät mit 30 Watt Dauerleistung kommt überschlägig auf rund 263 kWh im Jahr. Bei einem höheren Arbeitspreis wird diese kleine, dauerhafte Last schnell relevant. Zählen Sie deshalb Kühlschrank, Router, Heizung, Frostschutz und Stand-by-Geräte zur erwarteten Mindestmenge.
Mit drei Mengen rechnen
Nutzen Sie für die Prüfung eine realistische, eine niedrigere und eine höhere Verbrauchsmenge. Verschiebt sich das Ergebnis schon bei kleinen Abweichungen, ist ein Tarif mit höherem Arbeitspreis riskanter. Ein Tarif mit etwas höherem Grundpreis kann dann mehr Planungssicherheit bieten, selbst wenn der erste Blick auf den Fixpreis etwas anderes vermuten lässt.
Die entscheidende Rechnung
Der Break-even zeigt, ab wann der Arbeitspreis zählt
Vergleichen Sie einen Tarif ohne Grundpreis mit einem Tarif, der einen festen Jahresbetrag verlangt. Die Verbrauchsschwelle zeigt, ab welcher Menge der niedrigere Arbeitspreis des zweiten Tarifs die feste Gebühr ausgleicht.
Rein rechnerisches Beispiel
Ein niedriger Fixpreis kann einen höheren kWh-Preis verstecken
Tarif A verlangt keinen festen Jahrespreis, kostet aber 39,9 Cent je kWh. Tarif B verlangt 180 Euro feste Kosten pro Jahr und kostet 31,9 Cent je kWh. Beide Angebote werden ohne Bonus und ohne weitere Entgelte betrachtet.
180 € ÷ (0,399 € − 0,319 €) = 2.250 kWh
Unterhalb dieser Schwelle ist Tarif A im Beispiel günstiger. Oberhalb davon macht der niedrigere Arbeitspreis von Tarif B den Unterschied. Das Beispiel ist keine Tarifempfehlung, sondern zeigt nur die Logik.
| Verbrauch | Tarif A 0 € fix |
Tarif B 180 € fix |
|---|---|---|
| 500 kWh | 199,50 € | 339,50 € |
| 1.500 kWh | 598,50 € | 658,50 € |
| 2.250 kWh | 897,75 € | 897,75 € |
| 3.000 kWh | 1.197,00 € | 1.137,00 € |
Passt der Tarif zu Ihrer Lieferstelle?
Wann Strom ohne Grundpreis interessant sein kann
Ein fehlender Grundpreis ist kein Qualitätsmerkmal an sich. Er kann zu einer bestimmten Verbrauchssituation passen, wenn die übrigen Bedingungen transparent und die Gesamtkosten niedriger sind.
Sehr kleiner Verbrauch
Wenn nur wenige Kilowattstunden anfallen, kann ein fester Jahresbetrag stark ins Gewicht fallen. Rechnen Sie trotzdem mit realistischen Dauerlasten.
Zweitwohnung oder Leerstand
Bei einer selten genutzten Lieferstelle kann ein niedriger Fixpreis sinnvoll sein. Prüfen Sie, ob der Tarif für diese Postleitzahl und Messstelle angeboten wird.
Schwankender Jahresverbrauch
Bei wechselnder Nutzung hilft die Break-even-Rechnung, statt nur einen einzelnen Monatswert zu betrachten. Ein Mindestumsatz kann den Vorteil allerdings wieder aufheben.
Ihren Verbrauch können Sie mit dem Stromverbrauch-Rechner schätzen. Für eine zweite Lieferstelle erklärt der Beitrag Strom für die Zweitwohnung anmelden, welche Angaben und Fristen wichtig sind.
Vor dem Abschluss nachsehen
Diese Punkte entscheiden über den echten Preis
„0 Euro Grundpreis“ ist eine einzelne Preisangabe. Lesen Sie deshalb die Bedingungen daneben. Die folgenden Punkte gehören in jede Vergleichstabelle.
Arbeitspreis pro kWh
Rechnen Sie den Preis mit Ihrem Jahresverbrauch hoch. Der günstigste Fixpreis hilft nicht, wenn die Kilowattstunden deutlich teurer sind.
Mindestverbrauch oder Mindestumsatz
Ein Tarif kann einen bestimmten Verbrauch oder Umsatz voraussetzen. Bei Leerstand oder seltener Nutzung wird daraus schnell ein versteckter Festbetrag.
Mess- und Serviceentgelte
Prüfen Sie, ob Messstellenbetrieb, Abrechnung, Zahlungsart oder andere Servicekosten separat ausgewiesen werden oder bereits enthalten sind.
Bonus und Folgejahr
Ein Bonus verändert nur die Rechnung, wenn Sie seine Bedingungen erfüllen. Vergleichen Sie zusätzlich im Stromvergleich ohne Bonus.
Laufzeit und Kündigung
Ein niedriger Einstiegspreis ist wenig hilfreich, wenn die Laufzeit nicht zu Ihrem Plan passt. Notieren Sie Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist.
Preisgarantie und Zahlungsweise
Eine Preisgarantie kann auf bestimmte Bestandteile begrenzt sein. Prüfen Sie außerdem Kaution, Vorauszahlung und die Höhe der monatlichen Abschläge.
In sechs Schritten zur fairen Rechnung
So prüfen Sie einen Tarif ohne Grundpreis
Arbeiten Sie mit Ihrer letzten vollständigen Abrechnung und halten Sie die Ergebnisse für mehrere Angebote nebeneinander fest. So bleibt sichtbar, welche Zahl aus dem Preisblatt stammt und welche Sie selbst berechnet haben.
-
1
Jahresverbrauch übernehmen
Verwenden Sie die kWh aus der letzten Abrechnung. Fehlt ein belastbarer Wert, schätzen Sie den Verbrauch und markieren Sie die Annahme.
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2
Feste Kosten auf ein Jahr bringen
Multiplizieren Sie einen monatlichen Grundpreis mit zwölf und ergänzen Sie separate feste Entgelte. Bei 0 Euro darf trotzdem kein Mindestumsatz übersehen werden.
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3
Arbeitspreis mit den kWh multiplizieren
Rechnen Sie den Brutto-Arbeitspreis × Jahresverbrauch. Verwenden Sie für alle Angebote dieselbe Verbrauchsmenge.
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4
Boni getrennt betrachten
Rechnen Sie den Tarif zuerst ohne Bonus. Danach können Sie prüfen, ob ein Bonus im ersten Jahr die Bedingungen erfüllt und wie das Folgejahr aussieht.
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5
Vertragstext lesen
Kontrollieren Sie Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist, Preisgarantie, Zahlungsweise und mögliche Sonderentgelte im Preisblatt.
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6
Angebot dokumentieren
Speichern Sie Preisblatt und Tarifdetails. Stimmen Vergleichsportal und Auftragsbestätigung nicht überein, klären Sie die Abweichung vor dem Abschluss.
Sonderfall kleine Lieferstelle
Zweitwohnung und Leerstand ohne Rechenfehler planen
Eine unbewohnte Wohnung verbraucht selten wirklich 0 kWh. Kühlschrank, Router, Heizung, Frostschutz oder ein Stand-by-Gerät können über das Jahr weiterlaufen. Schätzen Sie diese Grundlast, bevor Sie einen Tarif mit höherem Arbeitspreis wählen.
Klären Sie außerdem, ob der Anbieter die gewünschte Lieferstelle versorgt und wie die Anmeldung funktioniert. Bei Auszug sollten Sie den Zählerstand dokumentieren und das Vertragsende schriftlich bestätigen lassen. Der Beitrag zur Stromrechnung-Prüfung hilft, die Angaben aus Abrechnung und Vertrag abzugleichen.
Je unsicherer Ihr Verbrauch ist, desto wichtiger sind ein transparenter Vertrag, kurze Bindung und eine Rechnung, die ohne Bonus verständlich bleibt.
Wenn die Rechnung klar ist
Jetzt die verfügbaren Stromtarife prüfen
Vergleichen Sie Angebote mit Ihrer echten Verbrauchsmenge und achten Sie darauf, ob der Vorteil aus dem niedrigen Fixpreis auch nach allen Bedingungen bestehen bleibt.
Vergleichsdaten und Abschluss erfolgen beim verlinkten Partner. Für vermittelte Abschlüsse können wir eine Provision erhalten.
Noch offen?
Häufige Fragen zu Strom ohne Grundpreis
Die wichtigsten Antworten auf einen Blick – mit dem Fokus auf der Rechnung, nicht auf einer einzelnen Werbeaussage.
Ist Strom ohne Grundpreis automatisch günstiger?
Nein. Der feste Preis kann entfallen, während der Arbeitspreis pro Kilowattstunde höher liegt oder ein Mindestverbrauch gilt. Entscheidend ist die Jahresrechnung für genau Ihren Verbrauch – inklusive aller festen und einmaligen Entgelte.
Für wen kann ein Tarif ohne Grundpreis interessant sein?
Vor allem für Lieferstellen mit einem sehr niedrigen oder schwankenden Verbrauch, etwa eine selten genutzte Zweitwohnung. Das ist aber nur dann sinnvoll, wenn der Arbeitspreis, die Mindestabnahme und alle Zusatzkosten zusammenpassen und der Tarif an der Lieferstelle verfügbar ist.
Wie berechne ich den Break-even zwischen zwei Stromtarifen?
Teilen Sie den Unterschied der festen Jahreskosten durch den Unterschied der Arbeitspreise in Euro je Kilowattstunde. Das Ergebnis ist die Verbrauchsmenge, bei der beide Tarife gleich teuer sind. Liegt Ihr Verbrauch darunter, wirkt sich der niedrige feste Preis stärker aus; liegt er darüber, zählt der niedrigere Arbeitspreis stärker.
Welche Kosten können trotz 0 Euro Grundpreis anfallen?
Möglich sind ein höherer Arbeitspreis, Mindestverbrauch oder Mindestumsatz, separate Mess- oder Serviceentgelte, Zahlungsgebühren, eine Kaution oder besondere Vorauszahlungsregeln. Prüfen Sie immer das Preisblatt und die Vertragsbedingungen, nicht nur die Kurzzeile im Vergleichsportal.
Ist Prepaid-Strom dasselbe wie Strom ohne Grundpreis?
Nein. Prepaid beschreibt, wann und wie Sie bezahlen. Ein Prepaid-Tarif kann trotzdem einen festen Preis, eine Kaution, Gebühren oder einen Mindestumsatz enthalten. Zahlungsweise und Preisstruktur müssen getrennt bewertet werden.
Lohnt sich ein Tarif ohne Grundpreis für einen normalen Haushalt?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei einem durchschnittlichen Haushaltsverbrauch kann ein höherer Arbeitspreis den Vorteil des entfallenden Grundpreises schnell übertreffen. Rechnen Sie mit der letzten Jahresabrechnung und vergleichen Sie die vollständigen Kosten mit einem Tarif ohne Bonus.
Was muss ich bei einer Zweitwohnung oder bei Leerstand beachten?
Schätzen Sie auch kleine Dauerlasten wie Kühlschrank, Router oder Frostschutz ein. Prüfen Sie außerdem, ob der Vertrag an der zweiten Lieferstelle angeboten wird, welche Melde- und Kündigungsfristen gelten und wer den Zählerstand zum Ein- oder Auszug erhält.
Wo sehe ich, ob der Grundpreis wirklich entfällt?
Schauen Sie in das Preisblatt und die Vertragszusammenfassung. Dort müssen Arbeitspreis, feste Entgelte, Mindestabnahme, Boni, Laufzeit und Kündigungsfrist nachvollziehbar sein. Die Darstellung im Tarifrechner ist ein guter Start, ersetzt aber nicht den Blick in die vollständigen Bedingungen.