Tarifwissen für elektrische Heizungen
Nachtstrom und Heizstrom: Lohnt sich ein HT/NT-Tarif?
Günstiger Strom in der Nacht klingt nach einer einfachen Sparidee. Ob sie aufgeht, entscheidet aber nicht die Uhrzeit allein, sondern Ihr Messkonzept, der echte Verbrauch in der Niedertarifzeit und die vollständige Jahresrechnung.
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Der passende Tarif muss zu Ihrer Verbrauchsstelle, Ihrem Verbrauch und Ihrem Zähler passen. Prüfen Sie Angebote deshalb mit dem Jahresverbrauch und vergleichen Sie Grundpreis, Arbeitspreis, Vertragslaufzeit und Preisgarantie gemeinsam.
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Gute Ausgangslage
Nachtspeicherheizung oder Warmwasserspeicher mit hohem, messbarem NT-Anteil.
Genau nachrechnen
Wärmepumpe, E-Auto oder gemeinsamer Zähler mit Ausgleichsmengen.
Eher kein Vorteil
Kaum verschiebbarer Verbrauch oder hohe laufende Kosten für die Messung.
Begriffsklärung
Was bedeuten Nachtstrom, Heizstrom und HT/NT?
Nachtstrom ist kein eigener Strom aus einer besonderen Leitung. Der Begriff beschreibt einen zeitabhängigen Tarif: Der Arbeitspreis unterscheidet sich je nach Tageszeit. Bei HT/NT steht HT für Hochtarif und NT für Niedertarif. Der Verbrauch wird über getrennte Register oder ein passendes digitales Messsystem den jeweiligen Zeitfenstern zugeordnet.
Heizstrom ist der Oberbegriff für Strom, der zum Heizen oder zur Warmwasserbereitung dient. Dazu zählen zum Beispiel Nachtspeicherheizungen, elektrische Direktheizungen, Wärmepumpen und bestimmte Warmwasserspeicher. Ein Heizstromtarif kann ein HT/NT-Modell sein, muss es aber nicht. Manche Angebote haben nur einen Arbeitspreis und unterscheiden sich vor allem über Messkonzept, Grundpreis oder Netzentgelt.
Die Bundesnetzagentur nennt für tageszeitabhängige Tarife häufig 6 bis 22 Uhr als HT- und 22 bis 6 Uhr als NT-Orientierung. Verbindlich sind diese Uhrzeiten nicht: Maßgeblich sind die Schaltzeiten des Netzbetreibers und die Angaben in Ihrem Vertrag. Die Bundesnetzagentur erklärt HT/NT und dynamische Tarife ausführlicher.
Der oft übersehene Hebel
Gemeinsame oder getrennte Messung: Das ändert Ihre Rechnung
Bevor Sie nach einem günstigen Heizstromtarif suchen, klären Sie, wie Ihr Verbrauch erfasst wird. Genau hier entstehen viele scheinbare Preisvorteile. Ein niedriger NT-Arbeitspreis nützt wenig, wenn Ihr Verbrauch nicht vollständig dort landet oder ein zusätzlicher Zähler hohe Fixkosten verursacht.
Gemeinsame Messung
Haushaltsstrom und Heizstrom laufen über eine gemeinsame Messung. Der Lieferant kann dadurch nicht direkt erkennen, welche Kilowattstunde zur Heizung gehört.
- Ein Messpunkt und meist weniger laufender Aufwand
- Tarifaufteilung nach HT und NT möglich
- Ausgleichsmengen können die effektive NT-Menge verändern
Getrennte Messung
Die Heizung hat einen eigenen Zähler. Haushaltsstrom und Heizstrom lassen sich dadurch getrennt abrechnen und häufig auch bei unterschiedlichen Lieferanten beziehen.
- Heizverbrauch separat nachvollziehbar
- Eigener Heizstromvertrag möglich
- Zusätzliche Mess- und mögliche Umbaukosten einplanen
Vier Stellen auf Ihrer Rechnung
- Zählernummer: Gibt es einen eigenen Zähler für Heizstrom oder nur einen gemeinsamen?
- Register: Werden HT und NT getrennt ausgewiesen? Notieren Sie beide Zählerstände.
- Verbrauchsaufteilung: Tauchen Ausgleichsmengen oder rechnerische Korrekturen auf?
- Fixkosten: Finden Sie Grundpreis, Messstellenbetrieb und mögliche Steuerkosten.
Passt das zu Ihrem Haushalt?
Für wen kann sich Nachtstrom lohnen?
Entscheidend ist nicht, ob Sie nachts zu Hause sind. Entscheidend ist, ob ein großer Teil Ihres Verbrauchs in ein günstigeres Zeitfenster fällt oder sich dorthin verschieben lässt, ohne dass Komfort und Heizbetrieb leiden. Diese vier Fälle sollten Sie unterschiedlich bewerten:
Nachtspeicherheizung
Hier ist ein HT/NT-Tarif am ehesten prüfenswert. Die Heizung kann Energie in der Niedertarifzeit aufnehmen und später als Wärme abgeben. Prüfen Sie trotzdem den echten NT-Anteil und mögliche Ausgleichsmengen.
Wärmepumpe
Eine Wärmepumpe braucht Strom dann, wenn Wärme gebraucht wird. Ein spezieller Wärmepumpentarif, die gemeinsame Messung oder ein Modell nach § 14a und steuerbaren Verbrauchseinrichtungen kann besser passen als ein klassischer Nachttarif.
E-Auto und Wallbox
Viele Ladevorgänge lassen sich zeitlich verschieben. Ob dafür ein zweiter Zähler sinnvoll ist, hängt von Fahrleistung, Ladefenster, Preisabstand und Fixkosten ab. Vergleichen Sie auch Tarife fürs Elektroauto.
Normaler Haushaltsstrom
Für Kühlschrank, Licht, Kochen und Unterhaltung lässt sich der Verbrauch nur begrenzt verschieben. Wenn kaum Kilowattstunden in der NT-Zeit anfallen, können zusätzliche Messkosten den Preisvorteil vollständig aufzehren.
Die Rechnung, die zählt
So berechnen Sie den echten Vorteil
Vergleichen Sie nicht HT- und NT-Preise isoliert. Relevant ist der Betrag, der nach allen Kosten pro Jahr übrig bleibt. Verwenden Sie dafür möglichst die Verbrauchswerte Ihrer letzten Abrechnung. Schätzwerte reichen für eine erste Orientierung, ersetzen aber keine Prüfung des konkreten Messkonzepts.
Zu den zusätzlichen Jahreskosten gehören vor allem Messstellenbetrieb, Zählergrundpreis und gegebenenfalls Steuer- oder Schaltkosten. Einmalige Einbaukosten können Sie für die geplante Nutzungsdauer auf mehrere Jahre verteilen.
8.000 kWh Jahresverbrauch, davon 6.000 kWh in NT
Die Preise sind bewusst frei gewählt und keine Marktprognose.
6.000 kWh × 0,08 € = 480 €. Ziehen Sie davon noch alle zusätzlichen Fixkosten ab. Wenn der Tarif 180 € Mehrkosten pro Jahr verursacht, bleiben in diesem Beispiel 300 € rechnerischer Vorteil.
Break-even
Wie viel NT-Verbrauch brauchen Sie mindestens?
Teilen Sie die zusätzlichen jährlichen Kosten durch den Preisabstand. Bei 200 € Zusatzkosten und 0,08 € Preisvorteil pro Kilowattstunde müssen mindestens 2.500 kWh in der günstigeren Zone anfallen, bevor sich dieser Kostenblock rechnerisch ausgleicht.
Prüfen Sie danach, ob die Kilowattstunden wirklich zusätzlich günstiger werden. Wird ein Gerät ohnehin zu einer preiswerten Zeit betrieben, bringt die Verschiebung in die NT-Zone keinen doppelten Vorteil. Für eine Einordnung von Arbeitspreis, Grundpreis und Jahreskosten hilft auch der Ratgeber Strompreis pro kWh.
Nicht nur nachts denken
HT/NT, Wärmepumpenstrom oder dynamischer Tarif?
Ein fixer Nachtpreis ist nur eine von mehreren Möglichkeiten. Die passende Variante hängt davon ab, ob Sie feste Zeitfenster bevorzugen, eine eigene Heizstrommessung haben oder Verbrauch automatisch verschieben können.
| Tarifmodell | Stärke | Worauf Sie achten müssen | Passt eher zu |
|---|---|---|---|
| Klassischer HT/NT-Tarif | Feste, leicht verständliche Zeitfenster | Schaltzeiten, NT-Anteil, Zweitarifzähler und Zusatzkosten | Nachtspeicher, Warmwasserspeicher |
| Wärmepumpenstrom | Auf elektrische Heizsysteme zugeschnitten | Messkonzept, Sperrzeiten, Grundpreis und mögliche Netzentgelt-Modelle | Wärmepumpe mit eigener Messung |
| Dynamischer Tarif | Preis folgt kurzfristigen Marktbewegungen statt nur der Uhrzeit | Intelligentes Messsystem, schwankende Preise und flexible Steuerung | E-Auto, Speicher, flexible Wärmepumpe |
| Einheitlicher Haushaltstarif | Einfaches Mess- und Vertragsmodell | Gesamter Arbeitspreis zählt; kein spezieller NT-Vorteil | Haushalte ohne großen verschiebbaren Verbrauch |
Was Forschung zur Lastverschiebung zeigt
Eine Studie von Agora Energiewende und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft untersucht, wie E-Autos, Wärmepumpen und Heimspeicher ihren Strombezug zeitlich verschieben können. Das ist ein guter Hintergrund für dynamische Tarife – aber keine Garantie, dass ein bestimmter Tarif bei Ihnen günstiger ausfällt. Dafür bleibt Ihre eigene Jahresrechnung maßgeblich.
Wenn Sie die Alternative konkret durchspielen möchten, können Sie mit dem Simulator für dynamische Tarife verschiedene Verbrauchsanteile und Zusatzkosten gegenüberstellen. Die Bundesnetzagentur erklärt außerdem, warum ein intelligentes Messsystem für dynamische Stromtarife erforderlich ist.
Schritt für Schritt
Nachtstrom beantragen oder Heizstrom wechseln
Der Wechsel selbst ist ähnlich wie bei einem normalen Stromtarif. Der zusätzliche Prüfpunkt ist das Messkonzept: Der Lieferant muss wissen, welche Verbrauchsstelle, welcher Zähler und welche Tarifzonen zusammengehören.
-
01
Rechnung und Zähler ablesen
Notieren Sie Zählernummer, HT- und NT-Stände, Jahresverbrauch sowie Grund- und Messkosten. Bei einem getrennten Heizstromzähler halten Sie Haushalt und Heizung separat fest.
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02
Schaltzeiten und Messung klären
Fragen Sie den Anbieter nach den verbindlichen NT-Zeiten. Wenn ein Zweitarifzähler oder eine Schalttechnik fehlt, klären Sie Einbau und laufenden Messstellenbetrieb mit dem zuständigen Messstellenbetreiber.
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03
Vollständige Jahreskosten vergleichen
Rechnen Sie Arbeitspreis, Grundpreis, Messkosten, Preisgarantie, Laufzeit und mögliche Einmalkosten zusammen. Prüfen Sie bei gemeinsamer Messung auch Ausgleichsmengen oder besondere Abrechnungsregeln.
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04
Bestätigung und Starttermin prüfen
Kontrollieren Sie nach dem Abschluss, ob Verbrauchsstelle, Zählernummer und Tarifmodell korrekt übernommen wurden. Der neue Lieferant bestätigt Ihnen den Starttermin; bei Fristen hilft die Übersicht zum Anbieterwechsel.
Fünf typische Denkfehler
- „22 bis 6 Uhr gilt immer.“ Nein, die Zeitfenster sind regional und vertraglich festgelegt.
- „Der NT-Preis entscheidet allein.“ Jahresgrundpreis und Messkosten gehören in dieselbe Rechnung.
- „Eine Wärmepumpe ist eine Nachtspeicherheizung.“ Sie folgt Wärmebedarf, Wetter und Regelung.
- „Ein eigener Zähler spart automatisch.“ Der Preisvorteil muss die zusätzlichen Fixkosten übersteigen.
- „Dynamisch ist immer günstiger.“ Ohne Smart Meter und verschiebbaren Verbrauch bleibt das Potenzial begrenzt.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen zu Nachtstrom und Heizstrom
Lohnt sich Nachtstrom heute überhaupt?
Das hängt von Ihrem tatsächlichen Nachtverbrauch, dem Abstand zwischen HT- und NT-Preis sowie den zusätzlichen Kosten für Messung und Zähler ab. Lohnt sich der Tarif nur auf dem Papier, weil fast keine Kilowattstunden in der NT-Zeit anfallen, bleibt der Vorteil aus.
Sind die Nachtstromzeiten immer von 22 bis 6 Uhr?
Nein. Die Bundesnetzagentur nennt 22 bis 6 Uhr als häufige Orientierung für einen tageszeitabhängigen Tarif. Die konkreten Schaltzeiten legt jedoch der zuständige Netzbetreiber fest und sie müssen zum Messkonzept und Vertrag an Ihrer Verbrauchsstelle passen.
Brauche ich für Nachtstrom einen Zweitarifzähler?
Für einen klassischen HT/NT-Tarif muss der Verbrauch den Tarifzonen zugeordnet werden können. Das übernimmt meist ein Zweitarifzähler mit getrennten Registern oder ein dafür geeignetes intelligentes Messsystem. Vor dem Tarifabschluss sollten Sie die technische Lösung mit Anbieter und Messstellenbetreiber klären.
Lohnt sich Nachtstrom für eine Nachtspeicherheizung?
Eine Nachtspeicherheizung gehört zu den naheliegenden Anwendungsfällen, weil sie einen großen Teil ihrer Energie zeitversetzt aufnehmen kann. Trotzdem zählt nicht allein der NT-Preis: Bei gemeinsamer Messung können Ausgleichsmengen, bei getrennter Messung zusätzliche Zählerkosten den Vorteil verändern.
Kann ich eine Wärmepumpe mit Nachtstrom betreiben?
Technisch kann eine Wärmepumpe in ein zeitabhängiges oder spezielles Wärmepumpen-Messkonzept eingebunden werden. Sie arbeitet aber nach Wärmebedarf und Regelung, nicht automatisch nur nachts. Deshalb sollten Sie einen HT/NT-Tarif, einen Wärmepumpentarif und mögliche Netzentgelt-Modelle anhand der vollständigen Jahreskosten vergleichen.
Ist Nachtstrom für das E-Auto günstiger?
Das kann so sein, wenn die Ladevorgänge tatsächlich in der vertraglichen NT-Zeit liegen und der Preisvorteil die zusätzlichen Fixkosten übersteigt. Ein eigener Zähler lohnt sich bei einem einzelnen Fahrzeug nicht automatisch. Prüfen Sie auch einen normalen Tarif mit flexiblem Verbrauch und einen dynamischen Tarif.
Was kostet ein Zweitarifzähler?
Die Kosten hängen vom Zählerplatz, Messstellenbetreiber, notwendigen Schaltgeräten und dem gewählten Messkonzept ab. Fragen Sie vorab nach einmaligen Einbaukosten, laufendem Messstellenbetrieb und möglichen Umbauten. Erst diese Summe gehört in Ihre Wirtschaftlichkeitsrechnung.
Kann ich Heizstrom und Haushaltsstrom trennen?
Bei einer getrennten Messung kann der Heizstrom über einen eigenen Zähler laufen. Dann sind in der Regel auch separate Lieferverträge mit unterschiedlichen Anbietern möglich. Bei gemeinsamer Messung wird der gesamte Verbrauch über ein Messkonzept erfasst; der Anbieter kann für die Aufteilung mit Ausgleichsmengen arbeiten.
Sind dynamische Tarife besser als HT/NT-Tarife?
Nicht pauschal. Dynamische Tarife bilden kurzfristige Preisbewegungen ab und können für Haushalte mit verschiebbarem Verbrauch interessant sein. Dafür brauchen Sie ein intelligentes Messsystem und müssen mit schwankenden Preisen umgehen können. Ein fester HT/NT-Tarif ist leichter planbar, aber weniger flexibel.
Wie finde ich den passenden Heizstromtarif?
Lesen Sie zuerst Zählerart, Messung und Verbrauchsaufteilung aus Ihrer Rechnung ab. Danach rechnen Sie den voraussichtlichen NT-Anteil gegen Preisabstand, Grundpreis, Messkosten und Einmalkosten. Im letzten Schritt vergleichen Sie die vollständigen Jahreskosten und die Vertragsbedingungen, nicht nur den beworbenen NT-Arbeitspreis.
Nächster sinnvoller Schritt
Erst rechnen, dann den passenden Stromtarif auswählen
Wenn Ihr Verbrauch einen hohen NT-Anteil hat, vergleichen Sie jetzt Angebote für Ihre konkrete Verbrauchsstelle. Achten Sie dabei auf vollständige Jahreskosten und die Bedingungen Ihres Zählers.
Weiterführend
Quellen und fachliche Einordnung
- Bundesnetzagentur: tageszeitabhängige Stromtarife – HT, NT, Schaltzeiten und Abgrenzung zu dynamischen Tarifen.
- Verbraucherzentrale: Nachtspeicherheizung und Tarifwechsel – gemeinsame und getrennte Messung, Ausgleichsmengen und Vertragswahl.
- Bundesnetzagentur: steuerbare Verbrauchseinrichtungen – Wärmepumpen, Wallboxen und mögliche Netzentgelt-Modelle.
- Bundesnetzagentur: FAQ zu dynamischen Stromtarifen – intelligentes Messsystem, Preisbestandteile und Vertragsinformationen.
- Agora Energiewende und FfE: Haushaltsnahe Flexibilitäten nutzen – fachliche Studie zu verschiebbarem Verbrauch von E-Autos, Wärmepumpen und Speichern.