Gas und erneuerbare Brennstoffe
Biogas-Tarif: Was steckt tatsächlich im Vertrag?
Die Bezeichnung „Ökogas“ sagt allein wenig über den Inhalt aus. Entscheidend sind der zugesicherte Biomethananteil, die Herkunft der Rohstoffe, die Bilanzierung und die Umweltkriterien. Manche Tarife liefern bilanziell erneuerbares Gas, andere verkaufen fossiles Erdgas und finanzieren Klimaschutzprojekte. Diese Modelle sollten Sie nicht miteinander verwechseln.
Die wichtigste Prüfung
Fragen Sie nicht zuerst, wie grün der Tarif klingt. Suchen Sie im Preisblatt nach einer konkreten Mengen- oder Prozentangabe und nach dem System, mit dem sie nachgewiesen wird. Prüfen Sie danach Rohstoffe, Nachhaltigkeitskriterien, Vertragsdauer und die Kosten.
- Biogas ist das Ausgangsgas; aufbereitetes Biogas für das Netz heißt Biomethan.
- Im Gasnetz vermischen sich physische Gasmengen. Der Tarif wird bilanziell zugeordnet.
- CO₂-Kompensation ist kein Biomethan und ersetzt keine Herkunftsangabe.
- Ein Label oder Register kann zusätzliche Anforderungen belegen, aber nur im jeweiligen Geltungsbereich.
Biogas, Biomethan, Ökogas und Klimagas
Biogas entsteht, wenn organische Stoffe unter Ausschluss von Sauerstoff vergoren werden. Es enthält neben Methan weitere Bestandteile und wird oft direkt an der Erzeugungsanlage genutzt. Für die Einspeisung in ein öffentliches Gasnetz wird es gereinigt und auf eine vergleichbare Qualität gebracht. Dieses aufbereitete Gas wird als Biomethan bezeichnet.
Am Zähler sehen Sie nicht, ob gerade ein Molekül aus einer Biogasanlage oder aus einer fossilen Quelle durch die Leitung fließt. Ein Tarif kann dennoch eine erneuerbare Menge versprechen, wenn Erzeugung, Einspeisung und Verbrauch über ein anerkanntes Bilanzsystem zusammengeführt werden. Das ist eine buchhalterische Zuordnung, keine getrennte Hausleitung.
| Begriff | Was dahinterstecken kann | Was Sie prüfen sollten |
|---|---|---|
| Biogas- oder Biomethantarif | Ein vertraglich zugesicherter Anteil aufbereiteten Biogases | Prozentanteil, Rohstoffe, Herkunft, Register oder Massenbilanz |
| Ökogas | Biomethan, Mischmodell oder Kompensation | Nicht den Namen, sondern Preisblatt und Nachweis lesen |
| Klimagas | Häufig Erdgas mit Finanzierung von Klimaschutzprojekten | Projektstandard, Zusätzlichkeit, Stilllegung und Berechnung |
Wie wird Biomethan nachgewiesen?
Ein nachvollziehbarer Tarif beschreibt mindestens die Menge, die dem Kundenverbrauch zugeordnet wird, sowie die Herkunft und das Bilanzierungsverfahren. Das Biogasregister der Deutschen Energie-Agentur erklärt die Funktion von Erzeugung, Prüfung und Massenbilanz. Bei einer Massenbilanz wird dokumentiert, welche Menge mit welchen Eigenschaften in die Lieferkette gelangt und an welcher Stelle sie bilanziell entnommen wird.
1. Erzeugung
Die Anlage und die eingesetzten Rohstoffe werden benannt. Reststoffe, Gülle, Abfälle und Energiepflanzen sind ökologisch nicht gleich zu bewerten.
2. Aufbereitung
Das Gas wird gereinigt und kann auf Erdgasqualität gebracht werden. Dabei zählen Energiebedarf, Leckagen und Transport.
3. Bilanzierung
Die erneuerbare Menge wird über ein Register oder Massenbilanzsystem dokumentiert und einer Lieferung zugeordnet.
4. Entwertung
Die Eigenschaft darf nicht mehrfach vermarktet werden. Fragen Sie, wie Zertifikate oder Mengen aus dem System genommen werden.
Das Umweltbundesamt beschreibt Herkunftsnachweise als Instrument, mit dem erneuerbare Gaseigenschaften dokumentiert und Doppelzählungen vermieden werden sollen. Ein Herkunftsnachweis beantwortet aber nicht jede ökologische Frage: Er ersetzt weder eine vollständige Lebenszyklusanalyse noch eine Bewertung der Rohstoffwahl.
Warum Biomethan nicht automatisch klimaneutral ist
Die Umweltwirkung beginnt bei der Rohstoffquelle. Gülle oder Reststoffe können anders bilanziert werden als eigens angebaute Energiepflanzen. Anbauflächen, Düngung, Transport, Prozessenergie und mögliche Methanemissionen verändern die Bilanz. Eine seriöse Aussage nennt deshalb Systemgrenzen und Berechnung statt nur „klimaneutral“ zu versprechen.
Bei einem Kompensationstarif bleibt der physische Brennstoff in der Regel Erdgas. Der Anbieter finanziert Projekte, die Emissionen vermeiden oder binden sollen. Für die Einordnung zählen Projektstandard, Zusätzlichkeit, Dauerhaftigkeit, geografischer Bezug und die nachweisbare Stilllegung der Zertifikate. Im Ratgeber zu Greenwashing finden Sie dieselbe Prüflogik für Stromwerbung.
Werbeaussage ist kein Rechtsnachweis
Ein grüner Produktname, ein Prozentzeichen ohne Bezugsgröße oder ein allgemeiner Klimabeitrag sagt noch nicht, dass der Tarif für eine rechtliche Vorgabe, eine Förderbedingung oder Ihre persönliche Umweltentscheidung genügt.
Welche Fragen gehören in die Anbieterunterlagen?
- Bezieht sich der Biomethananteil auf die gesamte gelieferte Gasmenge oder nur auf einen Teil?
- Wie hoch ist der Anteil während der gesamten Vertragslaufzeit?
- Welche Rohstoffe und Anlagen werden eingesetzt?
- Welche Stelle prüft Erzeugung, Mengenbilanz und Nachhaltigkeit?
- Wie wird eine Doppelvermarktung verhindert?
- Erhalten Sie einen Nachweis oder Bericht nach der Abrechnung?
- Welche Kosten gelten nach Bonus, Preisgarantie und erstem Vertragsjahr?
Nächster Schritt
Gastarife mit Ihrem Verbrauch vergleichen
Prüfen Sie Arbeitspreis, Grundpreis und Vertragsbedingungen gemeinsam mit dem zugesicherten Biomethananteil. Der günstigste Tarif ist nicht automatisch der nachvollziehbarste.
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Preis und Vertrag fair vergleichen
Ein Biogas-Tarif kann wegen des erneuerbaren Anteils teurer sein, muss es aber nicht in jedem Netzgebiet und bei jedem Verbrauch. Rechnen Sie Arbeitspreis mal Jahresverbrauch plus Grundpreis. Ziehen Sie Bonusbeträge nur ab, wenn Sie die Bedingungen sicher erfüllen. Für eine realistische Entscheidung betrachten Sie außerdem das zweite Vertragsjahr ohne einmalige Neukundenvorteile.
- Arbeitspreis und Grundpreis mit Bruttoangaben,
- garantierter Biomethananteil und dessen Geltungsdauer,
- Preisgarantie und ausdrücklich ausgenommene Bestandteile,
- Laufzeit, Kündigung und mögliche Vorauszahlung,
- Nachweisform nach der Jahresabrechnung,
- Folgen bei Umzug, Verbrauchsabweichung oder Lieferantenwechsel.
Wenn Sie nicht zwingend einen Biomethananteil benötigen, können Sie den Ökogas-Vergleich mit dem klassischen Gasanbieter-Vergleich kombinieren. So sehen Sie, welche Mehrkosten tatsächlich aus dem Tarifmerkmal entstehen.
Reicht der Tarif für das Gebäudeenergiegesetz?
Eine pauschale Antwort ist unseriös. Für die konkrete Heizung können Brennstoff, Anlage, Einbaudatum, kommunale Wärmeplanung und anerkannte Nachweise zusammenwirken. Lesen Sie die Anforderungen im Gebäudeenergiegesetz und lassen Sie sich vor einer langfristigen Investition schriftlich bestätigen, welche Unterlagen im konkreten Fall gelten. Ein Liefervertrag mit dem Wort „Bio“ ersetzt diese Prüfung nicht.
Den Nachweis im Vertrag richtig lesen
Suchen Sie im Preisblatt nicht nur nach dem Produktnamen. Entscheidend sind der zugesicherte Anteil, die Bezugsgröße und die Dauer der Zusage. „Biogasanteil“ kann sich auf die gesamte Liefermenge oder nur auf einen Teil beziehen. Lassen Sie sich außerdem erklären, welcher Nachweis geführt wird und wie die erneuerbare Eigenschaft entwertet wird.
- Biomethananteil und Bezugsgröße ausdrücklich benannt?
- Rohstoffe, Herkunft und Prüfstelle nachvollziehbar?
- Preis, Nachweis und Vertragsbedingungen auch nach einem Bonus klar?
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Biogas und Biomethan?
Biogas entsteht bei der Vergärung organischer Stoffe. Wird es gereinigt und auf Erdgasqualität aufbereitet, kann es als Biomethan in ein Gasnetz eingespeist werden. Ein Tarif kann deshalb Biomethan ausweisen, obwohl am Haus keine eigene Leitung mit getrenntem Gas ankommt.
Ist Ökogas automatisch Biogas?
Nein. Ökogas ist kein einheitlich geschützter Qualitätsbegriff. Gemeint sein können Biomethan, ein Mischmodell oder fossiles Erdgas mit CO₂-Kompensation. Lesen Sie den garantierten erneuerbaren Anteil und die Nachweise im Preisblatt.
Ist ein Biogas-Tarif klimaneutral?
Nicht automatisch. Rohstoffe, Anbau, Transport, Anlagenbetrieb und Methanverluste beeinflussen die Klimabilanz. Auch ein Tarif mit Kompensation liefert nicht zwingend erneuerbares Gas. Für eine belastbare Aussage müssen Herkunft und Berechnung nachvollziehbar sein.
Woran erkenne ich den Biomethananteil?
Der Anteil sollte als konkrete Prozentangabe für die gelieferte Gasmenge genannt werden. Zusätzlich sollten Rohstoff, Herkunft, Bilanzierungs- oder Registersystem, Nachhaltigkeitskriterien und die Vermeidung einer Doppelvermarktung erklärt werden.
Erfüllt ein Biogas-Tarif automatisch die Anforderungen des GEG?
Nein. Eine Tarifbezeichnung ersetzt keinen rechtlichen Nachweis. Ob ein Brennstoff für eine konkrete Heizung und ein konkretes Gebäude genügt, hängt unter anderem von Anlage, Einbaudatum, Gebiet und den jeweils geltenden Nachweisen ab.
Wie vergleiche ich die Kosten eines Biogas-Tarifs?
Vergleichen Sie denselben Jahresverbrauch mit Arbeitspreis und Grundpreis. Ziehen Sie Boni nur nach erfüllten Bedingungen ab und betrachten Sie auch den Preis nach dem ersten Vertragsjahr. Der Biomethananteil darf nicht nur als Werbeaufschlag, sondern muss als Vertragsmerkmal bewertet werden.
Quellen und weiterführende Seiten
- Umweltbundesamt: Herkunftsnachweisregister für Gase – Nachweissysteme und Bilanzierung.
- Umweltbundesamt: Herkunftsnachweise für Gas, Wasserstoff, Wärme und Kälte – fachlicher Hintergrund.
- dena: Funktionsweise des Biogasregisters – Erzeugung, Prüfung und Massenbilanz.
- Verbraucherzentrale: Ökogas und Klimagas – Werbeaussagen und Tarifmodelle einordnen.